Station 10: klybeckplus – Vom Industrie- zum Wohnquartier

Das Klybeckquartier, einst die Hochburg der Chemieproduktion in Basel, befindet sich im Wandel. Durch die Auslagerung der Produktion besteht die Möglichkeit den Stadtteil mit einem vielfältigen Angebot an Wohn- und Arbeitsflächen weiterzuentwickeln.

In Basel etablierte sich seit dem 17. Jahrhundert das Seidenbandgewerbe als wichtiger ökonomischer Faktor. Im 19. Jahrhundert wurde die Herstellung synthetischer Farbstoffe zu einer Spezialität der Region Basel. Diese Farbstoffproduktion legte den Grundstein für die chemische Industrie und hat die wirtschaftliche Entwicklung Basels stark geprägt.

Der Seidenfärber Alexander Clavel aus Lyon startete 1859 als erster mit der Produktion von Anilinrot, zunächst an der Unteren Rebgasse 22-25 beim Claraplatz. Da sich die AnwohnerInnen über die starken Gerüche beschwerten, musste er die Produktion vor die Stadt verlegen – an den Rhein zwischen Klybeckstrasse und Unterem Rheinweg, damals in ein ländliches Gebiet. Das war der Anfang des Klybeckareals. 1873 musste Clavel das Geschäft an den Chemiker Robert Bindschedler und den Kaufmann Albert Busch verkaufen. Im Jahre 1881 zählte «Bindschedler & Busch» bereits 250 Arbeiter und 20 Chemiker.

Der Chemiker Alfred Kern (Erfinder von Kristallviolett) gründete zusammen mit dem Kaufmann Edouard Sandoz 1886 die spätere «Sandoz AG».

Infolge der grossen Konkurrenz auf dem Gebiet der Farbstoffentwicklung wurden Firmenzusammenschlüsse auf dem Farbstoffgebiet notwendig. Bindschedler wandelte die Firma 1884 in die «Gesellschaft für Chemische Industrie in Basel» um (ab 1945 CIBA). Weitere Firmen wurden zugekauft: 1898 die Firma «Gerber-Keller» und 1908 die «Chemische Fabrik Basel». Das Sortiment wurde laufend erweitert, auch weil seit 1887 die Produktion von Heilmitteln dazu kam.

Weitere grosse Fusionen im 20. Jahrhundert haben den Standort der Chemie in Basel gestärkt:

1970 fusionierten die «CIBA AG» mit der «J.R. Geigy AG» zur «Ciba-Geigy AG», 1996 die «Ciba-Geigy AG» mit der «Sandoz AG» zur heutigen «Novartis».

Heute wird die Produktion mehr und mehr aus Basel ausgelagert. Die Produktionsflächen werden frei und können neu- und umgenutzt werden.

Das Klybeckareal mit seinen rund 300’000 Quadratmetern Fläche wird unter dem Namen «klybeckplus » neu erfunden. Die privaten Investoren (Rhystadt und Swiss Life) und der Kanton Basel- Stadt haben eine Planungsvereinbarung unterschrieben und werden das Gebiet zusammen mit Fachpersonen und unter Einbezug der Bevölkerung zu einem Stadtteil mit einem vielfältigen Angebot an Wohn- und Arbeitsflächen weiterentwickeln. Einzelne schon frei gewordene Gebäude werden zwischengenutzt, zum Beispiel die Veranstaltungshalle «Humbug, Raum für Musik und jegliche Livekunst».

Vision klybeckplus – Ein Mehrwert für Basel

klybeckplus setzt bei der Entwicklung des Gebietes darauf, dass die Geschichte gewürdigt und trotzdem der Blick in die Zukunft gerichtet wird. Durchmischtes Wohnen und neue Formen des Zusammenlebens sind Bestandteil der Planung. Verschiedene Wohnformen und neue öffentliche Einrichtungen sowie attraktive Grün- und Freiräume sollen ein qualitätsvolles Zusammenleben fördern.